Mundklebeband zum Schlafen: Wozu es dient und wie es funktioniert

Vielleicht haben Sie es in sozialen Netzwerken gesehen oder davon von Bekannten gehört. Die Vorstellung, sich freiwillig vor dem Schlafengehen den Mund zuzukleben, kann zunächst seltsam klingen. Dennoch wird das Mundtape zum Schlafen zunehmend zu einem gefragten Helfer für eine bessere Erholung. Wir schauen uns an, was dieses Phänomen genau bedeutet, warum es einen enormen Unterschied macht, ob Sie nachts durch die Nase oder den Mund atmen, und für wen diese Methode sinnvoll sein kann.

Was ist ein Mundtape zum Schlafen (mouth tape)?

Mundtape zum Schlafen ist ein einfaches Pflaster oder Klebeband, das vor dem Schlafengehen über den Mund geklebt wird. Ziel ist es nicht, den Mund gewaltsam zu verschließen, sondern das Atmen durch den Mund sanft einzuschränken und die Nasenatmung während des Schlafs zu fördern.

Es handelt sich weder um ein medizinisches Produkt noch um eine Behandlung. In der Praxis ist es eine Hilfsmittel zur Veränderung einer Gewohnheit, ähnlich wie beispielsweise eine Zahnschiene gegen Zähneknirschen oder eine Schlafmaske.

Wichtig ist zu betonen, dass das Tape:

  • das Öffnen des Mundes im Bedarfsfall nicht verhindert
  • nicht dazu dient, die Atmung „einzusperren“
  • ausschließlich während des Schlafs verwendet wird

Warum atmen Menschen nachts durch den Mund?

Die Mundatmung ist für den menschlichen Körper im Grunde ein Notfallsystem (z. B. bei verstopfter Nase oder extremer körperlicher Belastung). Leider ist dieses Notfallsystem bei vielen Menschen zum nächtlichen Hauptmodus geworden. Warum passiert das?

  • Gewohnheit aus der Kindheit: Entsteht häufig infolge chronischen Schnupfens, von Allergien oder vergrößerten Mandeln im frühen Kindesalter. Auch wenn das Problem später behoben wird, bleibt die Gewohnheit der Mundatmung oft bis ins Erwachsenenalter bestehen.

  • Anatomische Hindernisse: Eine verkrümmte Nasenscheidewand, Nasenpolypen oder chronisch geschwollene Schleimhäute erschweren den Luftdurchfluss durch die Nase.

  • Schwerkraft und Schlafposition: Schlafen in Rückenlage begünstigt das Absinken des Unterkiefers und das Zurückfallen der Zunge, was zum Öffnen des Mundes und häufig auch zum Schnarchen führt.

  • Trockene Luft und Heizung: Zu trockene Luft im Schlafzimmer kann die Nasenschleimhaut reizen, die sich daraufhin zusetzt, und der Körper sucht sich den einfacheren Weg – den Mund.

Nase vs. Mund

Vielleicht denken Sie: „Ist es nicht egal, auf welchem Weg die Luft in die Lunge gelangt, Hauptsache ich atme?“ Aus physiologischer Sicht ist es definitiv nicht egal. Nase und Mund sind zwei völlig unterschiedliche Systeme zur Luftverarbeitung.

1. Warum nicht durch den Mund atmen?

Wenn Sie durch den Mund atmen, strömt die Luft schnell, in großem Volumen, kalt, trocken und ungefiltert in die Lunge. Das hat Konsequenzen:

  • Austrocknung der Schleimhäute: Sie wachen morgens mit trockenem Hals, rissigen Lippen und dem Bedürfnis zu trinken auf.
  • Verschlechterte Zahngesundheit: Speichel schützt die Zähne vor Bakterien. Trockene Mundhöhlen sind ein Paradies für Karies und Zahnfleischentzündungen.
  • Förderung des Schnarchens: Der Luftstrom über den weichen Gaumen im Mund bringt das Gewebe deutlich stärker zum Vibrieren als der ruhige Luftstrom durch die Nase.

2. Warum durch die Nase atmen?

Die Nase ist ein hochentwickeltes Organ, das speziell für die Atmung geschaffen ist. Sie erfüllt drei Schlüsselfunktionen, die der Mund nicht leisten kann:

  1. Filtration: Härchen und Flimmerzellen in der Nase fangen Staub, Allergene und Krankheitserreger ab, bevor sie in die Lunge gelangen.

  2. Erwärmung und Befeuchtung: Das komplexe System der Nasenmuscheln funktioniert wie ein Heizkörper und Luftbefeuchter. Die Luft gelangt in optimaler Temperatur und Feuchtigkeit in die Lunge, was die Sauerstoffaufnahme erleichtert.

  3. Produktion von Stickstoffmonoxid (NO): Dies ist vielleicht der wichtigste Punkt. In den Nasennebenhöhlen entsteht ein Gas (Stickstoffmonoxid), das beim Einatmen durch die Nase in die Lunge gelangt. Dieses Gas erweitert die Blutgefäße (Vasodilatation) und erhöht die Fähigkeit des Körpers, Sauerstoff ins Blut aufzunehmen, um bis zu 10–15 %. Beim Atmen durch den Mund geht dieser Vorteil vollständig verloren.

Einfach gesagt: Mundatmung ist für den Körper stressig und weniger effizient. Nasenatmung ist ruhiger, gesünder und sorgt für eine bessere Sauerstoffversorgung des Organismus.

Interessantes aus der Praxis: Der Atem von Profis

Dass richtige Atmung der Schlüssel zu Gesundheit und Leistung ist, wissen auch Profis in Bereichen, in denen jeder Atemzug zählt.

So bieten beispielsweise Tauchlehrer (insbesondere im Freediving – Apnoetauchen) neben Tauchkursen oft auch spezialisierte Kurse zur richtigen Atmung an Land an. Sie wissen, dass die Fähigkeit, effizient durch die Nase zu atmen, die Atemfrequenz zu kontrollieren und das Zwerchfell zu nutzen, eine absolute Grundlage ist – nicht nur unter Wasser, sondern auch für die allgemeine Gesundheit und den Umgang mit Stress im Alltag.

Wenn die Nasenatmung für sie so entscheidend ist, stellen Sie sich vor, welchen Einfluss sie auf Ihren achtstündigen Schlaf hat.

Wie funktioniert das Mundtape in der Praxis?

Das Mundtape funktioniert ganz einfach:

  • es schränkt das Öffnen des Mundes physisch ein
  • es fördert die Nasenatmung
  • es hilft, den Mund während des Schlafs geschlossen zu halten

Es handelt sich nicht um einen aktiven Eingriff, sondern vielmehr um eine passive Unterstützung einer richtigen Gewohnheit. Bei vielen Menschen wirkt das Tape als „Trainingswerkzeug“, das mit der Zeit nicht einmal täglich verwendet werden muss.

Wann ist ein Mundtape sinnvoll und wann sollte man es vermeiden?

Die Verwendung eines Mundtapes ist ein Werkzeug – und wie jedes Werkzeug ist es nicht für jeden und nicht in jeder Situation geeignet.

Wann es sinnvoll ist (Indikationen)

  • Sie wachen morgens mit trockenem Hals und dem Bedürfnis zu trinken auf.

  • Ihr Partner beschwert sich über Ihr leichtes bis mittleres Schnarchen (das Tape kann Schnarchen oft reduzieren, indem es das Öffnen des Mundes und das Zurückfallen der Zunge verhindert).

  • Sie haben das Gefühl eines nicht erholsamen Schlafs, obwohl Sie ausreichend lange schlafen.

  • Sie wissen, dass Sie tagsüber häufig durch den Mund atmen und möchten Ihren Körper „umtrainieren“.

  • Sie möchten Ihre Zahnhygiene verbessern und das durch Mundtrockenheit verursachte Kariesrisiko senken.

Wann man das Tape besser vermeiden sollte (Sicherheit)

Obwohl das Tape für die meisten gesunden Menschen ein großartiger Helfer ist, gibt es Situationen und gesundheitliche Zustände, in denen es grundsätzlich nicht verwendet werden sollte. Es gilt die Grundregel: Wenn Sie nicht frei durch die Nase atmen können (z. B. aufgrund eines akuten Schnupfens), kleben Sie sich niemals den Mund zu.

Haben Sie Sicherheitsbedenken? Obwohl die Verwendung eines speziellen Mundtapes für die meisten Menschen sicher ist, ranken sich viele Mythen darum. Wenn Sie unsicher sind oder sich vor Risiken fürchten, haben wir für Sie eine detaillierte Analyse in einem separaten Artikel vorbereitet: Ist Mundtape sicher? Risiken, Mythen und Fakten.

Fazit

Ein Mundtape zum Schlafen ist kein Wundermittel für alles, aber es ist eine überraschend effektive, günstige und einfache Möglichkeit, die physiologisch richtige Nasenatmung zu unterstützen. Wenn Sie unter Mundtrockenheit oder morgendlicher Müdigkeit leiden und Ihre Nase frei ist, kann dies der einfachste Schritt sein, den Sie für Ihren Schlaf tun können.

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